Quaestio

Wer suchet, der wird finden, die Frage ist nur was, wann und wie. Hilfreich dabei sind Wissbegier, Sammelwut und Phantasie. Vorsichtig wird in alles hingeschnuppert, möglichst dem In-Stinkt gefolgt. Mit-Gefühl, Offenheit und Verstand Jedem in allen Sprachen Fragen stellen, zuhören und lernen. Bedächtig und mit Weile benötigt das Suchen alle Zeit der Welt, da wer mit Eifer sucht nur Leiden schafft. Gleichberechtigt und frei ist das ganze Erlebte auszuwerten. Ziellos betrachtend in der Zeit treiben – das Suchen ist ein Sich-finden-lassen.
Der Mensch ist verplant und sein Lebensweg bestimmt von der Wiege bis an die Totenbahre. Mädchen tragen rosa und sind Prinzessin Lillifee, Jungs sind blaugekleidet und weinen nicht. Wer sich in der Schule unterordnet und auswendig lernt erhält die besten Noten und kann erfolgreich in ein Berufsleben starten. Es sei denn, sie muss heiraten und Kinder in die Welt setzen. 45 Jahre acht Stunden Arbeit die keiner gerne macht, um nach Feierabend in das Hobbyleben durchzustarten, sich regelmässig am Wochenende und im Urlaub zu erholen und endlich mit 65/67/70… Jahren etwas von der wohlverdienten Rente für sich ausgeben zu können. Wer nach ein paar Jahren vielleicht zum Pflegefall wird, darf noch einige Zeit unter mehr oder weniger menschenwürdigen Bedingungen dahinvegetieren und allen im Leben erarbeiteten angesparten Reichtum abgeben, manchmal den der Nachkommen gleich mit. Spätestens mit der Beerdigung ist zu hoffen, dass die Toten vorgesorgt haben für ihr teures Grab. Um nicht den bürgerlichen Tod im Leben zu erleiden muss der Geldbeutel/Konto immer gut gefüllt sein und alles andere auf Bestellung funktionieren. Da bleibt keine Zeit für eine entspannte Suche.
Das ständige Muss geht mit einer Entmündigung in allen Lebensphasen einher. Was beim Baby noch logisch ist, führt mit zunehmender Unabhängigkeit von den natürlichen Zwängen in die gesellschaftliche Bevormundung von Eltern, Familie, Kindergarten, Schule, Arbeitgeber, Wirtschaft, Ehepartnern, Kirchen, Behörden, Gerichten, Medizin, Banken, Pflegeheimen und Bestattungsinstituten, kurzum dem Staat. Mit besten Absichten angetragen, unterwirft sich fast jeder Mensch der Rangordnung, stellt seine besonderen Fähigkeiten in den Mittelpunkt des Universums und vergisst ein Teil des Ganzen zu sein. Die Zwangsjacke wird selber angezogen, die Gesetzesfessel umgelegt und ab geht es in die moderne Sklavenhaltung der gespaltenen Gesellschaft, welche weder Phantasie, Freiheit noch Verständnis für eine lebenslange Suche zeigt. Irgendwann wird die treue Umsorgung des Staates zum Entscheidungsersatz, der mit aller Gewalt durchgesetzt werden muss, auch wenn das Warum nicht existiert oder in Vergessenheit geriet, weil das Wissen an verschiedenste Berater ausgelagert wurde.
Darum ist die Zahl der hochspezialisierten Wissenschaftler gross und viel Energie wird in die Forschung gesteckt, um die EierlegendeWollMilchSau in Frankensteins Labor zu erFinden und möglichst genau Wahrzusagen. Morgen ist der Bauer jedoch immer schlauer, weil er dann erlebt hat, ob es heute geregnet hat oder nicht. Somit ist die Wettervorhersage wissenschaftlicher Glaube, der vergessen lässt, dass in chaotischen, bewegten Systemen die Zahl der unbekannten Variablen die der bekannten um ein unbekanntes vielfaches übersteigt. Forschung und Wissenschaft sind gestocher im Zukunftsnebel, der durch Statistik und hierarchiegebundene Interpretation noch verschleiert wird und nur zufällig oder annäherungsweise zu vernünftigen Ergebnissen führt. Die in der Wissenschaft eingesetzte deterministische Logik rechnet meist auf der Geraden, obwohl die beste Annäherung auf der gebogenen Linie erreicht wird. Vollkommen ist die Berechnung von Systemen bei Kenntnis aller verborgenen Variablen, wechselwirkenden Teilen mit dem Ganzen und Verschmelzung von Anfang und Ende der gekrümmten Linie.