Klimawandel

In dem Magazin enorm finden sich immer Ideen zum Mitdenken, Nachlesen und Entwickeln von praktischen Lösungen zum Thema Nachhaltigkeit. In der zweiten Jahresausgabe 2015 regt Chefredakteur Marc Winkelmann zur Diskussion des Themas Klimawandel an. Meine Überlegungen dazu sind folgende:

Sehr geehrter Herr Winkelmann,
die Kampagne aus Amerika zeigt sehr gut, dass Deutschland nicht nur unfähig ist, den richtigen Kurs einzuschlagen, es befindet sich Seemeilen davon entfernt auf dem exakten Gegenkurs. Allerdings sind wir Weltmeister für Kosmetik und Schönheitsoperationen und verkaufen das scheinbar positive Image einer Energiewende recht gut. Mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen, spart zudem das Kehren vor der eigenen Haustür. Weiter helfen bei diesem Selbstbetrug unsere Spezialisten, die nahezu Alles entkoppeln, analysieren, das Zusammensetzen vergessen und dafür die Ergebnisse der Analyse auf den Gesamtsachverhalt übertragen.
Klima ist nicht nur Kohlendioxid, sondern ein hochkomplexes Verteilungssystem für Gase, Stäube, Flüssigkeiten und Energie. Diese machen vor den Grenzen nicht halt, sind jedoch oft regionaler Entstehung. Zudem fehlen die Schnittmengen mit anderen Räumen, wie der geologischen, hydrologischen, bodenkundlichen oder Biosphäre – letztere beinhaltet den Menschen als kleinen Teilbereich. Da die atmospärischen Prozesse sich, ähnlich wie geologische, dem menschlichen Zeitfenster entziehen, wird eine schädigende Auswirkung in der Umwelt oft erst dann wahrgenommen, wenn es zu spät ist. Gutgemeinte Prophezeiungen der Wissenschaftler fördern deren Unglaubwürdigkeit, wozu kohlendioxidproduzierende Klimakonferenzen vor Ort wesentlich beitragen. So werden dringend notwendige politische Konsequenzen verhindert, weil die Diskussion um das Thema schon lange die wissenschaftliche Ebene verlassen hat und in die Kommunikationslosigkeit des Glaubenskrieges übergegangen ist.
In der Proklamation von wissenschaftlich nicht haltbaren, feststehenden, absoluten Grenzwerten liegt der Verlust der Wechselwirkungen, Prozesse, der Bedeutung von Klima, der Kreativität für Lösungen und der Glaube, all‘ das planen, beeinflussen und berechnen zu können. Die so erhaltenen Zahlen lassen sich einfach in Geld darstellen und führen zu Subventionen, Ablasshandel, Monopolisierung alternativer Energien durch konventionelle Firmen und Festhalten an fossilen Energieträgern in den kapitalistischen Ländern, die sich in der Gesamtbetrachtung als grösste Klimaschädlinge zeigen. Im Grunde ist die Forderung von Naomi Klein daher richtig, jedoch ist der Kapitalismus als Wirtschaftsform nur eine Extremausprägung der Tatsache, dass in unserer Welt das Geld als Wertmassstab, statt als Zahlungsmittel gilt. Nur über die radikale Änderung des Wertansatzes kann die Kursänderung gelingen. Da alle Umweltschäden sich letztlich auf die Menschen auswirken, wird ein vernünftiger Weg nur über die Menschenrechte möglich. Sie sind unverkäuflich, unabhängig von Nationalität, Wirtschaftsform oder Staatswesen global gleichberechtigt ansetzbar. Die theoretische Lösung ist in Deutschland in Form des Grundgesetzes und der darin enthaltenen Grundrechte bereits vorhanden. Wenn wir über eine stotternde Vollbremsung den Rechtsstaat in der Praxis wiederherstellen, haben wir eine Chance auf den richtigen Kurs zu gelangen und einen Totalschaden zu vermeiden.
Mit freundlichen Grüssen
Regina Hanel